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Stadtfest EröffnungDie Veranstalter fanden ihre Idee gut und die Stadtverwaltung spielte mit. Die Vesper fand im Rathaus statt. Mangels Fläche, wich man zusätzlich in die Räume des Ratskellers im "König von Bayern" aus. Mit dem Service einer professionellen Gastronomie und der Küche im Hause, glaubte man sich auf der sicheren Seite.

Doch es zeigte sich, sowohl das Personal samt Service, als auch Menge und Qualität der gelieferten Speisen, die man sich traute "Schlachtplatte" zu nennen, erwiesen sich nicht nur mangelhaft, sondern als völlig unprofessionell, bzw. unzureichend. Sowohl im Ratskeller als auch im Rathaus standen, so schien es wenigstens, ungelenke "Zapfer" an den Anlagen, die zudem noch mit wohl schlecht gekühltem Bier zu kämpfen hatten. Lange Zeit kam fast nur Schaum aus dem Zapfhahn. Bevor alle Gäste mit mindestens einem Getränk versorgt waren, begann man mit der Ausgabe der sogenannten Schlachteplatten. Die Servicekräfte, völlig überfordert, vergaßen derweil erst einmal die getätigten Getränke-Bestellungen. Viele der Gäste saßen folgerichtig ohne Getränk vor ihrem Teller. Die Ausgabe des Essens verlief nicht annähernd zeitgleich. Während manche bei Ihrer zweiten Scheibe Brot waren, hatten andere noch nichts auf dem Tisch stehen – sowohl in der Rathaushalle als auch in den Katakomben.

Während ein Gast seine zweite Scheibe Brot aß, schlich sich eine Dame aus dem Ratskeller nach oben: "Könnte ich wohl mal eine Scheibe Brot haben?" "Wieso ist unten das Brot alle?" "Von wegen Brot alle, wir haben überhaupt noch nichts bekommen und ich habe seit heute morgen noch nichts gegessen!" Dieser Dialog beschreibt die Symptomatik der "Essen-Ausgabe".

Von der Wurstauswahl war, bei etwa zwanzig befragten Gästen, tatsächlich einer dabei, der halbwegs positiv auf die Frage nach der Qualität antwortete: "Naja, es ging!" Die Qualität der Ware wurde höchstens als gerade mal durchschnittlich bewertet.

Wurst Stadtfest VesperEine Platte war wohl für drei Personen gedacht. Selbst für drei Personen zu wenig, musste die zunächst für etwa vier bis fünf Gäste reichen. Nachgereicht wurde nach einer halben Stunde. Auf dem Teller: Je drei dünne Scheiben Leber-, Rot- und Knappwurst, mit einem Durchmesser von etwa drei Zentimetern, drei dünne Scheiben Sülze, drei SDcheibchen Schinkenspeck (!), drei kleine runde Harzer Käse, drei halbe Gewürzgurken mittlerer Größe und drei kleine Radieschen.

AnstichDrei Stückchen Butter und ein Klümpchen Mett sowie drei Scheibletten, die teils schon zerliefen, nicht zu vergessen. Positiv: Es wurde jede Menge Brot und Senf gereicht, wobei das Brot ob seiner "kernigen" Rinde, einige Herausforderungen an Gebissträger stellte. Die Wurst war durchgängig zu fett, geschmacklich selbst für Kostverächter ebenfalls nur durchschnittlich. Die Rotwurst fiel wegen der großen Fettstückchen auseinander wenn man versuchte, die Pelle ab zumachen. In der Optik schien es sich eher um "Industrieware" denn um "Hausmacher-Wurst" zu handeln.

AnstichEin anwesender Schlachtermeister bewertete die für mehrere Personen gedachte Platte mit einem Warenwert von vier bis sechs Euro (Für 3 Personen). Auf Wunsch wurde aber wie gesagt nachgereicht. Allerdings zu einem Zeitpunkt, als die ersten, die ihr Essen bekommen hatten, schon eine halbe Stunde fertig waren.

Durchschnittlich waren die Gäste, bei sparsamen Umgang mit dem angebotenen Belag, in den Genuss von etwa zwei Scheiben Brot gekommen. Der Eintritt zur Vesper betrug 22,- Euro. Erwartet wurde ein netter Abend. Mit Gesprächen, Unterhaltung, Gedankenaustausch und ein wenig Spass miteinander. Versprochen wurde auch ein nicht nur sättigender, sondern auch guter Imbiss, angenehmer Service und eine Auswahl gekühlter Getränke.

Auch angesichts dessen, dass mit dem Erlös der Pächter des Ratskellers entlohnt oder zum Beispiel die Videoübertragungen bezahlt werden mussten, war dieser Preis unangemessen. Die erwarteten "guten" Gespräche beschränkten sich , wie unter diesen Umständen nicht anders zu erwarten, auf den überforderten Service und die Speiseauswahl. Das gemütliche Miteinander fand erst im Nachgang draußen im Biergarten statt. So war das nicht gedacht gewesen.

Ein Insider, der seinen Namen nicht genannt haben möchte: "Es wurden etliche Gespräche mit dem Wirt geführt und auf die Problematik hingewiesen. Der entgegnete, man habe schon größere Gesellschaften erfolgreich bewirtet und große Erfahrung damit!" Diese Selbstüberschätzung führte wohl dazu, dass die Vesper in Teilen ein "Schlag ins Wasser" wurde. Da waren dann auch die Schützenkorporationen und Hildesheim Marketing mit ihren Verantwortlichen machtlos.

Auch die Idee, die Gäste zu trennen, war keine Gute. Einige der Anwesenden hatten keinen Anspruch bei der Vergabe der Sitzplätze angemeldet, so kam hie und da Unmut auf. Es machte die Runde, dass zum Beispiel Frau Dr. Eva Möllring statt unzufrieden in der Hölle, lieber bei ihrem Gatten im Himmel an der Tafel gesessen hätte.

Auch einige andere Gästen machten ihrem Ärger darüber Luft. So wurde die heitere Bezeichnung "Himmel" und "Hölle" plötzlich als Bewertung empfunden. Schade eigentlich.

Stadtfest 2013Während in der Ratshaushalle Kommunikation untereinander möglich war, saßen die Gruppen in der "Hölle" getrennt. Zu einem "Miteinander" von "Himmel und Hölle" kam es kaum. Die eigentlich immer zur Vesper angestrebten zwanglosen Gespräche nach dem Essen, fanden erst, wie erwähnt, draußen statt. Von der engen Wendeltreppe (Geheimgang) die keinen "Gegenverkehr" zuließ, wurde wenig Gebrauch gemacht.

Stadtfest nch VesperBemerkt wurde auch, viele der Honoratioren von "oben" ließen sich "unten" nicht oder nur kurz blicken. Und umgekehrt. Fazit: Das Experiment ist misslungen. Nicht nur wegen eines Services der völlig überfordert war und einem Essen dem es an Qualität und Preiswürdigkeit mangelte, sondern ebenso an der sich daraus ergebenden inhaltlich gebremsten Kommunikation der Gäste untereinander und der räumlichen Trennung. Bei einer Neuauflage des Stadtfestes im kommenden Jahr, wird eine neue Ausrichtung der Vesper vermutlich eines der zentralen Themen der Veranstalter sein. Bis zum Jubiläumsjahr 2015 ist Zeit genug die "Macken" des ersten Stadtfest auszubügeln. Der Plan insgesamt scheint gut. An der Umsetzung muss hie und da noch gefeilt werden.

Abschließend sei es aber nochmal gesagt: Wer das Stadtfest als "Ersatz" für das ehemalige "Schützenfest" erwartet hatte, musste enttäuscht sein. Hildesheim hat ein letztlich doch einigermaßen erfolgreiches Stadtfest, unter Einbindung der wichtigsten Schützen-Traditionen gefeiert. Immerhin! Ein Schützenfest aber ist und bleibt ein Schützenfest. Und dazu ist alles im Vorfeld gesagt worden.

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