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Hildesheims Superintendent stülpt sich die Narrenkappe über

Mainz bleibt Mainz, das wissen wir und das soll ja auch ruhig so sein. Doch die Niedersachsen holen auf, was sie der Evangelischen Kirche zu verdanken haben. Genauer: dem Hildesheimer Superintendenten Helmut Aßmann. Dabei stammt der noch nicht mal aus dem Rheinland. Seit acht Jahren verfolgt Aßmann beharrlich das Ziel, den Humor in die Börde und in die Kirche zu tragen. Beide können das gleichermaßen gut gebrauchen. Am Sonntag vor Rosenmontag verwandelt sich die ehrwürdige Bürgerkirche St. Andreas – die mit dem höchsten Kirchturm Norddeutschlands – in ein Zwischending aus Gotteshaus und Karnevalssaal. Was 2007 mit einer gereimten Predigt im normalen Gottesdienst angefangen hat, ist mittlerweile ein echtes Spektakel geworden.


Schon der Einzug durch den Mittelgang der proppevollen Kirche ist ein Ausrufezeichen. Superintendent (mit Talar und Vogelsmaske) und Kirchenvorsteher (im normalen Anzug) werden von einem tänzelnden Krokodil begleitet. Vorweg marschiert eine Blaskapelle im besten Mardi-Gras-Sound von New Orleans. „Es ist alles nur ein Spiel“ heißt das Motto des Abends, frei nach den Sprüchen Salomos: „Die Weisheit spielt vor Gott.“ Mit diesen Bällen jonglieren die Akteure, dem Spielerischen, dem durchaus Nachdenklichen und dem Göttlichen. Das Krokodil à la Dr. Barbara Hornberger von der Hildesheimer Universität steuert Philosophisch-Wissenschaftliches über Sinn und Wert des Spiels bei. Am anderen Ende der Skala lässt es Hildesheims Marketingchef Lothar Meyer-Mertel mit seiner Band aus Geschäftsleuten ordentlich krachen.

Frontmann und Sänger ist kein Geringerer als Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer, der zur Melodie von „Living Next Door To Alice“ einen überraschend relaxten und coolen Entertainer gibt: „Seit Ewigkeiten wohn ich Seit’ an Seit’ mit Hannover.“

Auch dem Hildesheimer Landkreis ist ein Song gewidmet. Ohne Lokalkolorit kein Karneval. Der eigentliche Star dieser Veranstaltung ist Helmut Aßmann, nicht mit dem gleichnamigen DDR-Rennfahrer zu verwechseln ist. Die Leute sind gekommen, weil sich herumgesprochen hat, dass er in den Versen seiner gereimten Predigt kein Blatt vor den Mund nimmt. Er beginnt bei der Stadt im Kleinen, leitet über zur Gesellschaft im Großen, widmet sich der Kirche im Speziellen (Kathologen und Evangelen kriegen gleichermaßen etwas auf die Ohren) und analysiert die Welt im Rausch der Bärtigen und Dummen.

Mögen sich die „Pegidisten“ daneben benehmen, Fundamentalisten Waffen schwingen, Bischöfe Spiegelei braten oder die Kinder des Olymps sich gebärden, als wären sie von allen guten Geistern verlassen: Helmut Aßmann kann auf der Kanzel (immer noch mit Vogelmütze) verspielt und unbekümmert bleiben, weil er die Bibel um so ernster nimmt. Deren Botschaft fasst er im abschließenden Vierzeiler zusammen: „Wir können letztlich nichts verspielen, das heißt es doch in großem Rahmen. Ist das ein Grund, sich gut zu fühlen, trotz und in allem? Ja. Und: Amen.“ Wer so denkt und fühlt, darf die Gemeinde auch anstiften, hunderte von selbstgebastelten Papierfliegern durch die Kirche sausen zu lassen. Das ist vielleicht nicht weise. Macht aber göttlich viel Spaß. Ralf Neite

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